Aus dem Fachwissen · SLAM

SLAM-Vermessung mit Handheld-LiDAR

Schnell, ohne Drohnen-Genehmigung, mit hoher Punktdichte: Handheld-Systeme erfassen Indoor-Räume, dichte Vegetation, Gräben und schmale Trassen dort, wo eine Drohne nicht oder nicht effizient eingesetzt werden kann. Was die Methode kann, wo ihre Grenzen liegen, wann sie sich lohnt und welche Datenformate Sie erhalten.

Handheld-LiDAR SLAM-Algorithmus Mobile Mapping Indoor · Outdoor
Sam Flick, Gründer passpunkt.de Sam Flick 10 Min. Lesezeit Aus dem Fachwissen
Bildplatz · Handheld-LiDAR im Außeneinsatz · 1600 x 900 px
Handheld-LiDAR-System mit rotierendem Scanner, integrierter IMU und mehreren RGB-Kameras zur Kolorierung der Punktwolke.

SLAM steht für Simultaneous Localization and Mapping. Der Algorithmus stammt aus der Robotik der 1980er Jahre und beschreibt das Prinzip, mit dem ein bewegter Sensor gleichzeitig seine eigene Position bestimmt und eine Karte der Umgebung aufbaut. In der Vermessungspraxis trifft man SLAM heute vor allem als Handheld-LiDAR-System: ein tragbares Gerät, das LiDAR-Sensor, IMU, GNSS und mehrere RGB-Kameras kombiniert. Aufgenommen wird fußläufig, ausgewertet wird in der Hersteller-Software, das Ergebnis ist eine dichte, kolorierte 3D-Punktwolke.

Für viele Aufgaben in der Vermessung ist SLAM die schnellere und unkompliziertere Alternative zur Drohne. Es entfallen Aufstiegsfreigaben, Flugplanung und die Diskussion mit der Bezirksregierung. Das Gerät ist nach drei Minuten Initialisierung einsatzbereit, die Live-Vorschau zeigt während der Begehung, was bereits aufgenommen ist. Drinnen funktioniert SLAM ohnehin, wo Drohnen nicht infrage kommen, draußen ergänzt es Drohnenbefliegungen unter Vegetation, in Gräben oder an Stellen, die der Sensor aus der Luft nicht sieht.

Dieser Beitrag erklärt, wo SLAM in der Vermessung sinnvoll ist, wie ein Handheld-System aufgebaut ist, wie sich die Methode gegen Drohne und terrestrischen Laserscanner abgrenzt, welche Punktdichten realistisch sind und worauf es bei der Beauftragung ankommt. Über das Verzeichnis von passpunkt.de finden Sie Fachbüros, die SLAM-Aufnahmen bundesweit anbieten.

Auf einen Blick

SLAM-Handheld-LiDAR ist die richtige Wahl für kleine Flächen unter einem Hektar, Indoor-Aufmaße, Aufnahmen unter Vegetation, Gräben, Trassen und schmale Bereiche. Die Punktdichte erreicht häufig über 10.000 Punkte pro Quadratmeter, eine Aufstiegsfreigabe entfällt. Drohnen bleiben effizienter bei großen offenen Flächen, terrestrische Laserscanner bleiben das Mittel der Wahl, wenn millimetergenaue Stationsmessungen gefordert sind.

Anwendungsfälle

Wo SLAM-LiDAR in der Vermessung eingesetzt wird.

Vier typische Aufgaben aus der Praxis. SLAM zeigt seine Stärken überall dort, wo eine Drohne nicht hinkommt, der Aufwand für eine Aufstiegsfreigabe in keinem Verhältnis zum Projekt steht oder die Punktdichte über dem liegt, was aus der Luft erreichbar ist.

Bildplatz · Indoor-Punktwolke
01 · Indoor und Bestand

Indoor-Aufmaße und Bestandspläne

Gebäude, Treppenhäuser, Industriehallen, Tunnel. Drinnen funktionieren weder GNSS noch Drohne zuverlässig. Das Handheld-System läuft fußläufig durch das Objekt und liefert eine vollständige 3D-Punktwolke als Grundlage für CAD-Schnitte, BIM-Modelle und Bestandspläne.

Bildplatz · Wald-Punktwolke
02 · Vegetation

Aufnahmen unter Vegetation

Im dichten Wald liegt die Person am Boden mit etwa einem Meter pro Sekunde unterwegs, die Objekte sind nahe. Punktdichten über 10.000 Punkte pro Quadratmeter sind möglich, deutlich mehr als bei Drohnen-LiDAR aus größerer Höhe. Sinnvoll für Forstwege, Bestandsaufnahmen, Renaturierungs-Dokumentation.

Bildplatz · Graben mit Leitung
03 · Trassen und Gräben

Trassen, Gräben, Zuwegungen

Zuwegungen zu Windkraftanlagen und Strommasten, offene Versorgungsgräben, schmale Linieninfrastruktur. Eine Trassenbegehung ist in wenigen Minuten erfasst, im Schnittbild lassen sich Maße direkt abgreifen. Drohne wäre hier ineffizient und braucht Aufstiegsfreigabe.

Bildplatz · Haufwerk mit Volumen
04 · Volumen

Volumen von Haufwerken und Bauflächen

Kies, Schotter, Aushub, Mineralien-Halden auf kleinem Lagerplatz. Praxiswerte zeigen rund 8.900 Punkte pro Quadratmeter bei normaler Begehung. Für die Volumenermittlung und Querprofile reicht die Genauigkeit eines GNSS-gestützten Handheld-Systems in den meisten Fällen aus.

Weitere typische Einsätze sind Aufnahmen rund um Gleisanlagen und Bahnhöfe für Querprofile und Umfeld-Dokumentation, Indoor-Aufmaße in Bestandsobjekten vor Sanierung, sowie die Ergänzung einer Drohnenbefliegung an Stellen, an denen der Sensor aus der Luft nicht alles sieht.

Wie ein Handheld-SLAM funktioniert

Sensor, Algorithmus, Aufnahme.

Ein modernes Handheld-LiDAR-System ist ein Sensor-Verbund. Die einzelnen Komponenten arbeiten gleichzeitig, der SLAM-Algorithmus rechnet sie zu einer konsistenten 3D-Punktwolke zusammen.

LiDAR-Sensor

Ein rotierender Laserscanner. Bei vielen aktuellen Systemen rotiert die Sensoreinheit um 360 Grad, das effektive Sichtfeld liegt typisch bei 270 Grad. Die aufnehmende Person bleibt durch diese Geometrie aus der Punktwolke ausgespart, das Gerät erfasst die Umgebung um den Aufnehmer herum, ohne ihn selbst abzubilden.

IMU und SLAM-Algorithmus

Die IMU (Inertial Measurement Unit) liefert Beschleunigungs- und Drehraten in hoher Frequenz. Der SLAM-Algorithmus verschneidet IMU-Daten mit den Laserscans und rechnet daraus die Trajektorie des Geräts. Aus Trajektorie und Einzelscans wird die konsistente Gesamt-Punktwolke. Das ist die Kernleistung von SLAM: Position und Karte gleichzeitig, ohne externe Vermarkungen.

GNSS und RTK

Außen liefert ein integriertes GNSS-Modul die globale Position. Bei aktiven Systemen wird die RTK-Information live angezeigt und die Aufnahme so georeferenziert. Indoor entfällt das, dort läuft die Aufnahme in einem lokalen Koordinatensystem. Der Anwender kann frei wählen, ob die Lieferung lokal oder geodätisch referenziert erfolgt.

RGB-Kameras und Live-Vorschau

Drei integrierte RGB-Kameras nehmen während der Begehung kontinuierlich Fotos auf. Diese werden später zur Kolorierung der Punktwolke verwendet. Eine Live-Ansicht zeigt während der Aufnahme die entstehende Punktwolke, den Status des Geräts und die GNSS-Information. Der Aufnehmer sieht direkt, ob alle gewünschten Bereiche erfasst sind.

Praxis-Hinweis

Die Initialisierung dauert rund drei Minuten, danach ist das Gerät einsatzbereit. Längere Begehungen werden mit Schultergurt durchgeführt, damit die Aufnehmer-Hand frei bleibt. Eine Begehung mit etwa einem Meter pro Sekunde liefert in der Regel die beste Balance aus Punktdichte, Stabilität des SLAM und Wirtschaftlichkeit.

Punktdichte und Genauigkeit

Was SLAM in der Praxis liefert.

Die Punktdichte hängt von Geschwindigkeit, Abstand zum Objekt, Sensor-Konfiguration und Vegetation ab. Die Tabelle zeigt typische Größenordnungen aus Praxis-Aufnahmen, keine Herstellerzusagen.

Szenario Punktdichte typisch Eignung der Daten
Haufwerk-Aufnahme, freie Sicht ~ 8.900 Pkt/m² Volumen, Querprofile, Bestand
Wald, Bestand mit Bewuchs > 10.000 Pkt/m² Geländemodell unter Vegetation, Forstplanung
Indoor, Bestandsobjekt je nach Begehung sehr hoch Bestandsplan, BIM-Modell, Schnitte
Trasse, schnelle Begehung moderat, je nach Tempo Längsprofil, Querprofil, Volumen
Drohnen-LiDAR (Vergleich aus Luft) deutlich geringer große Flächen, Übersicht
Terrestrischer Laserscanner (TLS) sehr hoch, stationär mm-genaue Bauwerksaufnahme
Hoheitliche Vermessung (Grenzen) amtliche Toleranz ÖbVI erforderlich, weder SLAM noch Drohne
seitlich scrollen
SLAM, Drohne und Laserscanner

Welches Verfahren passt zu welcher Aufgabe.

Aspekt SLAM-Handheld-LiDAR Drohnenvermessung Terrestrischer Laserscanner
Effiziente Flächengröße kleine bis mittlere Flächen große offene Flächen einzelne Standorte, Bauwerk
Erfassung 50 ha unwirtschaftlich etwa 60 Min nicht vorgesehen
Indoor ja eingeschränkt ja, sehr genau
Aufstiegsfreigabe nötig nein ja, EU 2019/947 nein
Punktdichte sehr hoch moderat extrem hoch
Perspektive aus Bodensicht aus der Luft stationär, aus Stativhöhe
Vegetations-Durchdringung seitlich gut nur per LiDAR von oben seitlich, je nach Standpunkt
Aufbau und Vorbereitung etwa 3 Min Flugplanung, Genehmigung Standort-Aufbau pro Position
Bedienung kurze Einweisung möglich Drohnenführerschein, Erfahrung Vermesser-Erfahrung nötig
mm-Genauigkeit für Bauwerk nein nein ja
Hoheitliche Aufgaben nein nein nein, ÖbVI erforderlich
seitlich scrollen
So läuft eine SLAM-Aufnahme ab

Vom Erstgespräch bis zur Datenlieferung.

Der typische Ablauf einer SLAM-Vermessung in fünf Schritten.

Schritt 01

Aufgabe klären

Was soll erfasst werden, mit welcher Zielgenauigkeit, in welchem Koordinatensystem. Indoor oder Außen, Volumen oder Bestandsplan, lokal oder geodätisch referenziert.

Schritt 02

Vorbereitung vor Ort

Initialisierung des Handheld-Systems, etwa drei Minuten. Wenn nötig Kontrollpunkte setzen oder GNSS-Referenz für die globale Lagerung anlegen.

Schritt 03

Begehung

Aufnehmer geht das Gebiet ab, Tempo etwa ein Meter pro Sekunde. Der Sensor rotiert um 360 Grad mit 270 Grad Sichtfeld, die Live-Vorschau zeigt den Aufnahmestatus.

Schritt 04

Auswertung

Datensatz wird in der Hersteller-Software prozessiert. SLAM rechnet Trajektorie und Punktwolke zusammen, RGB-Kameras kolorieren, optional folgt Klassifikation und Bereinigung.

Schritt 05

Übergabe

Lieferung als Punktwolke (LAS, LAZ, E57, PLY) und auf Anfrage als CAD-Schnitte, BIM-Modell oder Volumenbericht mit Querprofilen.

Datenformate

Was Sie nach der Auswertung erhalten.

Standard-Lieferung einer SLAM-Aufnahme. Welche Formate sinnvoll sind, hängt von Ihrer Software-Umgebung und der Weiterverarbeitung ab. Die Lieferformate werden vorab abgestimmt.

LAS · LAZ

Punktwolke

Branchen-Standard für 3D-Punktwolken aus LiDAR. Klassifizierbar, komprimiert (LAZ), einlesbar in CloudCompare, RealityCapture, Civil 3D, ReCap, jeder gängigen Punktwolken-Software.

E57

Universelles Scan-Format

Offener Standard für Punktwolken aus Laserscanning. Speichert zusätzlich Bilder und Sensor-Metadaten, üblich bei Indoor-Aufnahmen und beim Datenaustausch zwischen verschiedenen Scanner-Welten.

PLY · XYZ

Kolorierte Punktwolke und Textformate

PLY für farbige Punktwolken aus den RGB-Kameras. XYZ und PTS als unkomprimierte Textformate für einfachen Austausch und manuelle Auswertung.

DXF · DWG

CAD-Schnitte und Bestandsplan

Aus der Punktwolke abgeleitete 2D- und 3D-Linien. Querprofile, Längsschnitte, Bestandszeichnungen. Direkter Import in AutoCAD, BricsCAD, MicroStation.

IFC

BIM-Modell

Auf Anfrage. Aus der SLAM-Punktwolke wird ein bauteilkonformes BIM-Modell für Bestandsobjekte abgeleitet. Standard für die Übergabe an Hochbau-Architekten und TGA-Planer.

PDF

Bericht mit Querprofilen

Auswertungs-Dokumentation mit Schnitten, Höhenprofilen, Volumen-Angaben und Hinweisen zur erreichten Punktdichte. Üblich für Volumenbilanzen und Zuwegungs-Aufmaße.

Vor der Beauftragung

Sechs Punkte, die vorab geklärt sein sollten.

Was Auftraggeber vor einer SLAM-Aufnahme sinnvollerweise mit dem Fachbüro abklären.

  • Aufgabe und Datenprodukt definieren Indoor-Bestandsplan, Volumen eines Haufwerks, Zuwegungs-Aufmaß oder Wald-Bestandsmodell. Aus der Aufgabe ergeben sich Begehungs-Strategie, Auswertungstiefe und Lieferformat.
  • Koordinatensystem festlegen Reicht eine lokale Lagerung (frei wählbarer Nullpunkt am Objekt), oder muss die Aufnahme in ETRS89 mit UTM-Abbildung und DHHN2016 georeferenziert werden? Globale Lagerung erfordert GNSS-Stützung oder eingemessene Kontrollpunkte.
  • Zugang und Hausrecht klären Auch ohne Aufstiegsfreigabe muss das Betreten vereinbart sein. Bei Industrieobjekten Sicherheitseinweisung, bei Bahnflächen Sperrpausen, bei Privatgrundstücken Zustimmung einholen.
  • Punktdichte und Genauigkeit absprechen Gehgeschwindigkeit und Abstand zum Objekt steuern die Punktdichte. Für ein BIM-Bestandsmodell wird langsamer und systematischer begangen als für eine schnelle Volumenkontrolle. Im Angebot konkret festhalten.
  • Lieferformate vorab spezifizieren LAS, LAZ, E57, PLY für die Punktwolke, DXF und DWG für CAD-Schnitte, IFC für BIM, PDF für den Bericht. Maschinensteuerungs-Formate sind bei SLAM unüblich, hier ist Drohnen-Photogrammetrie meist passender.
  • Grenzen einer SLAM-Aufnahme einkalkulieren Hochpräzise Stationsmessungen (Bauwerk, Maschinenrahmen, mm-Toleranz) bleiben Aufgabe eines terrestrischen Laserscanners. Hoheitliche Aufgaben (Grenzen, amtlicher Lageplan) sind ÖbVI-Aufgabe und liegen außerhalb von SLAM.
Rechtliches und Normen

Worauf sich das Verfahren stützt.

SLAM mit Handheld-LiDAR ist ein bodengebundenes Verfahren und damit deutlich freier als jede Drohnenbefliegung. Drei Quellen, die in der Praxis trotzdem relevant sind und die jeder Auftraggeber einmal im Original gesehen haben sollte.

Datenschutz

DSGVO und Personenbezug

Sichtbare Personen, Kennzeichen, Hausnummern oder einsehbare Innenräume können personenbezogene Daten sein. Vor einer Aufnahme im öffentlichen Raum oder in Betrieben wird Datenschutz und Hausrecht abgestimmt, gegebenenfalls werden Daten anschließend bereinigt.

BfDI Information
Geodäsie

SAPOS

Amtlicher Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessungsbehörden. Liefert die Korrekturdaten für RTK-Stützung in der globalen Lagerung von SLAM-Aufnahmen.

SAPOS-Portal
Berufsrecht

Hoheitliche Vermessung

Grenzfeststellungen, amtliche Lagepläne und andere hoheitliche Aufgaben sind Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren (ÖbVI) vorbehalten. SLAM-Aufmaße liefern unterstützende Bestandsdaten, ersetzen aber keine ÖbVI-Tätigkeit.

BDVI · Bund der ÖbVI
Begriffe verstehen

Glossar.

Zwölf Begriffe, die in jedem SLAM-Vermessungsangebot vorkommen, knapp erklärt.

SLAM
Simultaneous Localization and Mapping. Algorithmus aus der Robotik, der einem bewegten Sensor erlaubt, gleichzeitig die eigene Position zu bestimmen und eine Karte der Umgebung aufzubauen.
Handheld-LiDAR
Mobiles Laserscan-System, das in der Hand oder mit Schultergurt geführt wird. Kombiniert LiDAR-Sensor, IMU, GNSS und meist mehrere RGB-Kameras zur Kolorierung.
IMU
Inertial Measurement Unit, inertiale Messeinheit. Liefert Beschleunigungs- und Drehraten, stützt zwischen GNSS-Updates die Trajektorie eines Mobile-Mapping-Systems.
Mobile Mapping
Sammelbegriff für Vermessungsverfahren mit bewegtem Sensor. Handheld-SLAM, Rucksack-Systeme, Backpack-Mapping oder fahrzeuggestützte Mapping-Plattformen fallen darunter.
Punktwolke
3D-Datensatz aus Millionen Einzelpunkten mit Lage, Höhe und meist RGB-Werten. Ergebnis einer LiDAR-Aufnahme. Dateiformat typisch LAS, LAZ oder E57.
Trajektorie
Aufgezeichneter Bewegungspfad des Sensors während der Aufnahme. Grundlage dafür, jeden Einzelpunkt korrekt in der Punktwolke zu verorten.
Kolorierung
Einfärbung der Punktwolke mit RGB-Werten aus den integrierten Kameras. Erleichtert die Interpretation und das Wiedererkennen von Objekten.
GNSS
Globales Navigationssatellitensystem. Sammelbegriff für GPS, GLONASS, Galileo und BeiDou. Liefert die globale Position für die Georeferenzierung.
RTK
Real-Time Kinematic. GNSS-Korrekturverfahren für Echtzeit-Positionierung mit Zentimeter-Genauigkeit. Bei SLAM über Korrekturdienste oder lokale Basisstation.
ETRS89/UTM
Standard-Koordinatensystem für amtliche Geodaten in Deutschland. Standard zur Übergabe von Vermessungsdaten an Behörden und CAD-Systeme.
DHHN2016
Deutsches Haupthöhennetz 2016. Amtliches Höhensystem in Deutschland. Höhen aus SLAM-Aufnahmen werden für die globale Lagerung in DHHN2016 referenziert.
ÖbVI
Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. Hoheitliche Vermessungsaufgaben wie Grenzfeststellungen und amtliche Lagepläne sind ÖbVI vorbehalten, SLAM-Aufmaße fallen nicht darunter.
Sam Flick, Gründer passpunkt.de
Über den Autor

Sam Flick

Gründer passpunkt.de · Siegen

Beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Vermessung, Drohnen-Anwendungen und Geodaten-Workflows. passpunkt.de betreibt er seit 2022 als Vermittlungsplattform zwischen Auftraggebern und spezialisierten Vermessungs- und Geomatik-Büros in Deutschland. Jedes Büro im Verzeichnis wird vor Aufnahme persönlich aufgenommen und fachlich eingeordnet.

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Ob Indoor-Bestand, Trassen-Aufmaß, Volumenbilanz oder Wald-Aufnahme: Welches Handheld-System, welche Begehungs-Strategie und welches Lieferformat zu Ihrem Projekt passen, hängt von Aufgabe, Gebietsgröße und Genauigkeitsanforderung ab. Schildern Sie Ihr Projekt, passpunkt prüft Ihre Anfrage und schlägt passende Anbieter aus dem Verzeichnis vor.

Bundesweit Unverbindliche Erstanfrage Antwort persönlich
Häufig gefragt

SLAM-Vermessung: FAQ.

Antworten auf die Fragen, die vor einer Beauftragung am häufigsten gestellt werden.

SLAM steht für Simultaneous Localization and Mapping. Der Algorithmus stammt aus der Robotik der 1980er Jahre und ermöglicht es einem mobilen Sensor, gleichzeitig seine eigene Position zu bestimmen und eine Karte der Umgebung zu erstellen. In der Vermessung werden SLAM-Systeme typisch als Handheld-Geräte mit LiDAR-Sensor, IMU und integrierten RGB-Kameras eingesetzt. Die Aufnahme erfolgt fußläufig, das Ergebnis ist eine dichte, kolorierte 3D-Punktwolke.

SLAM lohnt sich bei kleinen Flächen unter einem Hektar, bei Indoor-Aufnahmen, in Flugverbotszonen, bei dichter Vegetation und überall dort, wo eine Drohne nicht alles erfasst. Drohnen bleiben effizienter bei großen offenen Flächen, etwa 50 Hektar lassen sich per Drohne in rund 60 Minuten erfassen, eine fußläufige Begehung wäre hier unwirtschaftlich. Häufig sinnvoll ist eine Kombination beider Methoden, Drohne von oben, SLAM für Detail- und Verschattungsbereiche.

Nein. Für die SLAM-Aufnahme mit einem Handheld-System fällt keine Aufstiegsfreigabe der Bundesnetzagentur oder Bezirksregierung an, weil das Gerät bodengebunden geführt wird. Hausrecht, Datenschutz und Betretungsrechte müssen weiterhin geklärt sein, der eigentliche Genehmigungsaufwand entfällt aber. Das macht SLAM gerade bei spontanen oder eng terminierten Aufnahmen attraktiv.

Die Punktdichte hängt von Geschwindigkeit, Abstand zum Objekt und Sensor-Konfiguration ab. In der Praxis werden bei normaler Begehung mit etwa einem Meter pro Sekunde häufig rund 8.900 Punkte pro Quadratmeter erreicht, in Wald-Aufnahmen je nach Begebenheit über 10.000 Punkte pro Quadratmeter. Drohnen-LiDAR liegt aus größerer Höhe und bei höherer Geschwindigkeit deutlich darunter. Genaue Werte gibt das Fachbüro im Erstgespräch projektabhängig an.

SLAM-Handheld-Systeme sind keine hochpräzisen Geräte für millimetergenaue Anwendungen wie amtliche Gleisvermessung oder Maschinenmontage. Für Volumenermittlung, Bestandsplanung, Querprofile, Indoor-Aufmaß und die Dokumentation von Umgebungsbedingungen ist die Genauigkeit ausreichend. Wenn millimetergenaue Stationsmessungen gefordert sind, bleibt der terrestrische Laserscanner das richtige Werkzeug. Die konkrete Zielgenauigkeit klärt das Fachbüro im Erstgespräch projektabhängig.

Typische Einsatzbereiche sind Zuwegungen zu Windkraftanlagen und Strommasten, Gräben mit Versorgungsleitungen, Volumenberechnung von Haufwerken, Indoor-Aufmaße von Gebäuden, Vermessung unter dichter Vegetation, Aufnahmen rund um Gleisanlagen und Bahnhöfe sowie die Ergänzung von Drohnendaten dort, wo aus der Luft Bereiche verdeckt oder nicht erreichbar sind.

Die Punktwolke wird typisch als LAS oder LAZ ausgegeben, branchenüblich sind außerdem E57, PLY und unkomprimierte Textformate wie XYZ oder PTS. Für die Weiterverarbeitung sind CAD-Schnitte (DXF, DWG), 3D-Modelle (IFC für BIM) und PDF-Berichte mit Querprofilen oder Volumen üblich. Die Lieferformate werden vorab mit dem Fachbüro abgestimmt.

Ja. Sie können wählen, ob die Aufnahme in einem lokalen Koordinatensystem oder referenziert auf ein globales geodätisches System geliefert wird, in Deutschland typisch ETRS89 mit UTM-Abbildung und DHHN2016 als Höhensystem. Für die globale Lagerung werden GNSS-Stützpunkte oder eingemessene Kontrollpunkte mitgeführt. Indoor entfällt die globale Lagerung üblicherweise, dort wird lokal aufgenommen.

Die reine Datenerfassung ist schnell. Initialisierung des Geräts dauert etwa drei Minuten, anschließend kann direkt aufgenommen werden. Ein Graben mit Versorgungsleitungen ist in rund drei Minuten erfasst, längere Begehungen werden mit Schultergurt durchgeführt. Die spätere Auswertung in der Hersteller-Software hängt von Datenmenge und Auswertungstiefe ab und wird im Angebot konkret beziffert.

Die Kosten richten sich nach Aufgabe, Gebietsgröße, Genauigkeitsanforderung und Auswertungstiefe. Eine Indoor-Aufnahme mit Bestandsplan-Übergabe wird anders kalkuliert als eine Trassen-Begehung mit GNSS-Referenzierung. Die konkrete Einordnung erfolgt im Erstgespräch mit dem vermittelten Fachbüro. Allgemeine Preisrahmen finden Sie im Kosten-Beitrag.