GNSS, Referenzierung & Lagebezug
Grundlagen zu satellitengestützter Positionierung, Korrekturdaten und Koordinatentransformationen in der Vermessungspraxis.
Die Inhalte dieses Glossars dienen der allgemeinen fachlichen Einordnung und stellen keine individuelle Beratung oder projektbezogene Planung dar.
Glossar GNSS, Referenzierung & Lagebezug
GNSS
GNSS (Global Navigation Satellite System) bezeichnet satellitengestützte Positionierungssysteme zur Bestimmung von Lage und Höhe auf der Erdoberfläche. Darunter fallen globale Systeme wie GPS, GLONASS, Galileo oder BeiDou. In der Vermessung werden GNSS-Empfänger eingesetzt, um Koordinaten in definierten Referenzsystemen zu erfassen und Geodaten eindeutig zu verorten.
Im fachlichen Kontext der Geodatenerfassung dient GNSS als Grundlage für die absolute Lagebestimmung. Während klassische Tachymetrie oder Laserscanning relative Koordinaten im Projektbezug liefern, ermöglicht GNSS die Einbindung in übergeordnete Koordinaten- und Höhenbezugssysteme.
In der Praxis wird GNSS sowohl zur Einmessung von Passpunkten als auch zur direkten Georeferenzierung von Drohnen, mobilen Scansystemen oder terrestrischen Aufnahmen genutzt. Die erreichbare Genauigkeit hängt vom Verfahren, der Korrekturdatenverfügbarkeit und den Umgebungsbedingungen ab. GNSS bildet damit die Basis für einen konsistenten Lagebezug zwischen unterschiedlichen Datensätzen und Erfassungsmethoden.
RTK
RTK (Real Time Kinematic) ist ein GNSS-Verfahren zur präzisen Positionsbestimmung in Echtzeit. Es basiert auf der Übertragung von Korrekturdaten von einer Referenzstation an einen Rover-Empfänger im Feld. Durch die Auswertung von Phasenmessungen der Satellitensignale lassen sich Lagegenauigkeiten im Zentimeterbereich erreichen.
Im vermessungstechnischen Umfeld wird RTK eingesetzt, wenn Koordinaten unmittelbar während der Messung benötigt werden. Typische Anwendungsfälle sind die Einmessung von Ground Control Points, Absteckungen oder die direkte Georeferenzierung von UAV-Systemen.
Voraussetzung ist eine stabile Datenverbindung zwischen Referenzstation und Rover, beispielsweise über Mobilfunk. Die Qualität der Ergebnisse hängt von der Basislänge, der Satellitenkonstellation und möglichen Abschattungen ab. RTK unterscheidet sich von PPK dadurch, dass die Korrektur in Echtzeit erfolgt und nicht erst im Nachgang der Datenerfassung.
PPK
PPK (Post Processed Kinematic) beschreibt ein GNSS-Auswerteverfahren, bei dem Rohdaten nachträglich mit Referenzdaten kombiniert werden. Im Unterschied zu RTK erfolgt die Berechnung der präzisen Koordinaten nicht in Echtzeit, sondern im Rahmen der Datenverarbeitung.
Im Kontext der Drohnenvermessung und mobilen Kartierung wird PPK genutzt, um Trajektorien oder Kamerapositionen mit hoher Genauigkeit zu bestimmen. Die Rohdaten des GNSS-Empfängers werden mit Daten einer Referenzstation oder eines Korrekturdatendienstes abgeglichen.
Das Verfahren ist weniger abhängig von einer stabilen Mobilfunkverbindung während der Aufnahme. Gleichzeitig setzt es eine sorgfältige Synchronisation von Sensor- und GNSS-Daten voraus. PPK eignet sich insbesondere für Projekte, bei denen eine nachträgliche Qualitätskontrolle und konsistente Verarbeitung im Vordergrund stehen.
Basisstation
Eine Basisstation ist ein stationärer GNSS-Empfänger mit bekannten Koordinaten. Sie dient als Referenzpunkt zur Bereitstellung von Korrekturdaten für mobile Empfänger im Feld. Durch den Vergleich der gemessenen und der bekannten Position können Signalabweichungen ermittelt und weitergegeben werden.
In der Praxis kann eine Basisstation temporär projektspezifisch eingerichtet oder als dauerhaft betriebene Referenzstation genutzt werden. Sie bildet die Grundlage für RTK- oder PPK-Verfahren und beeinflusst maßgeblich die erreichbare Genauigkeit.
Die Distanz zwischen Basisstation und Rover – die sogenannte Basislänge – wirkt sich auf die Qualität der Korrektur aus. Bei zunehmender Entfernung nehmen atmosphärische Einflüsse und Modellierungsunsicherheiten zu. Für vermessungstechnische Anwendungen ist daher die Auswahl geeigneter Referenzdatenquellen ein zentraler Bestandteil der Projektplanung.
Korrekturdaten
Korrekturdaten sind Zusatzinformationen zur Verbesserung von GNSS-Positionslösungen. Sie enthalten Abweichungen zwischen gemessenen und bekannten Referenzkoordinaten sowie Modellparameter zur Berücksichtigung atmosphärischer Einflüsse.
Im vermessungstechnischen Kontext werden Korrekturdaten genutzt, um systematische Fehler zu minimieren und hochgenaue Positionsbestimmungen zu ermöglichen. Sie können in Echtzeit übertragen oder für eine spätere Nachverarbeitung bereitgestellt werden.
Die Qualität der Korrekturdaten hängt von der Dichte des Referenzstationsnetzes, der Übertragungsart und der Aktualität ab. Für Projekte mit definierten Genauigkeitsanforderungen ist die Auswahl geeigneter Korrekturdatenquellen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitsvorbereitung.
SAPOS
SAPOS ist der Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung. Das Referenzstationsnetz stellt flächendeckend GNSS-Korrekturdaten für unterschiedliche Genauigkeitsanforderungen bereit.
Im vermessungstechnischen Einsatz ermöglicht SAPOS die Einbindung von GNSS-Messungen in amtliche Koordinaten- und Höhenbezugssysteme. Je nach Diensttyp können Echtzeit- oder Postprocessing-Daten genutzt werden.
Für Ingenieur- und Bauvermessungen stellt SAPOS eine standardisierte Referenzquelle dar, sofern eine Anbindung an die amtlichen Bezugssysteme erforderlich ist. Die Nutzung setzt entsprechende Zugangsdaten und technische Voraussetzungen voraus.
Transformation
Transformation bezeichnet die rechnerische Umrechnung von Koordinaten zwischen unterschiedlichen Referenz- oder Projektsystemen. Dabei werden Parameter wie Translation, Rotation und Maßstab berücksichtigt.
In der Praxis ist eine Transformation erforderlich, wenn GNSS-Daten in ein lokales Projektsystem oder in ein anderes amtliches Bezugssystem überführt werden sollen. Dies betrifft sowohl Lage- als auch Höhenkoordinaten.
Eine unsachgemäße Transformation kann zu systematischen Abweichungen führen, die sich über große Flächen hinweg verstärken. Deshalb ist die eindeutige Definition von Ausgangs- und Zielsystem Bestandteil jeder Datendokumentation. Die Transformation stellt sicher, dass unterschiedliche Datensätze konsistent zusammengeführt werden können.
Höhenbezugssystem
Ein Höhenbezugssystem definiert, auf welche Bezugsfläche sich Höhenangaben beziehen. In der Geodäsie wird zwischen ellipsoidischen Höhen (bezogen auf ein Referenzellipsoid) und physikalischen Höhen (bezogen auf ein Geoid oder Normalhöhennull) unterschieden.
GNSS liefert primär ellipsoidische Höhen. Für bautechnische Anwendungen sind jedoch in der Regel physikalische Höhen relevant. Daher ist eine Umrechnung unter Berücksichtigung eines Geoidmodells erforderlich.
Im Projektkontext ist die eindeutige Festlegung des verwendeten Höhenbezugssystems wesentlich, um Missverständnisse und systematische Abweichungen zu vermeiden. Der Höhenbezug beeinflusst die Vergleichbarkeit von Geländemodellen, Bauwerksdaten und Bestandsaufnahmen.
